Zauberhafte Puppenwelt
Niedliche Puppenkinder aus Naturmaterialien
Meine Häwelpuppen
Von Häwelchen und anderen Puppenkindern
Der kleine Häwelmann...
Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Häwelmann. Des Nachts schlief er in einem Rollenbett und des Nachmittags, wenn er müde war; wenn er aber nicht müde war, so musste ihn seine Mutter darin in der Stube umherfahren und davon konnte er nie genug bekommen.
...und die Haba Spiele
Für Kinder
Das sind wohl die Gründe, warum ich meine Puppen Häwelpuppen nenne. Der Name ist mir genauso lieb wie meine Puppen und fügt sich aus vielen kleinen Begebenheiten zusammen. Der kleine Häwelmann wurde für Kinder geschrieben, die Haba- Spiele für Kinder erdacht und die Waldorfpädagogik für Kinder entwickelt. Meine Puppen nähe ich ebenfalls für Kinder und dabei spielt es für mich keine Rolle, für welches Kind ich sie nähe. Der Bund der freien Waldorfschulen sieht das jedoch anders und muss aus diversen Gründen einen Unterschied zwischen Waldorfpuppen und Waldorfpuppen machen.
Da ich meine Puppen keinesfalls als Stiefkinder der Waldorfpädagogik sehe, möchte ich sie nicht einfach als Stoffpuppen zurücklassen. Ich nähe meine Häwelkinder nach dem Vorbild der Waldorfpuppen, nur der Name ist ihnen nicht (mehr) vergönnt. Aber deswegen ziehen sie keine Schnute oder fangen an zu weinen, sie bleiben weiterhin zurückhaltend in ihrer Mimik. Sie lächeln zwar ein bisschen, doch diese freundliche Geste stand ihnen schon immer ins Gesicht geschrieben. Sie haben ihren Namen verloren, aber dafür- und das ist viel wichtiger- einen neuen Namen gewonnen, der nur für meine Puppen steht. Sie dürfen weiterhin die Fantasie der Kinder ansprechen und sie trösten, wenn sie bei einem Spiel verloren haben. Dann wird das Häwelkind gewiss nicht lachen, sondern mit trauern. Denn ein Kind, das seine Gefühle mit einer Puppe teilt, ist nicht alleine.
Eine Puppe namens Häwelmann
Eine meiner ersten Stoffpuppen, die ich lernte anzufertigen, war der Häwelmann. Er hatte einen weichen Körper aus Nickistoff, der meistens zweifarbig in einen Pullover und eine Hose aufgeteilt wurde (ähnlich meinen Schlamperle). Auf dem Kopf saß eine festgenähte
Über meine Häwelpuppen
Nachdem ich erzählt habe, warum ich meine Puppen Häwelkinder nenne, möchte ich auch etwas über ihr Wesen, ihre Unterschiede und Besonderheiten erzählen; darüber wie ich sie anfertige und aus welchen Materialien Stich für Stich ein Häwelchen wird.
Punkt, Punkt, Komma, Strich fertig ist das Häwelgesicht
Und Gedanken zu den Waldorfpuppen
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Wie aus dem Märchen
So beginnt die Geschichte vom kleinen Häwelmann, der in seinem Rollenbett, den guten, alten Mond und seine Sternenkinder am Himmelszelt besucht. Als ich noch ein Kind war gehörte dieses Buch, mit den vielen nostalgischen Bildern, zu meinen Lieblingsgeschichten.
Irgendwann muss ich es bei einem Umzug verloren haben und konnte die kindgerechten Pappdeckelseiten erst Jahre später wieder aufschlagen als ich zufällig eine neuere Ausgabe fand. Das Buch wollte ich für meine Kinder aufbewahren und es ihnen vorlesen, wenn sie nicht einschlafen konnten. Damit es ihnen nicht genauso erging wie dem kleinen Häwelmann, achtete ich darauf, dass ihr weißes Rollenbett fest auf dem Boden stand und nicht des Nachts aus dem Fenster fliegen konnte. So erlebten sie zwar keine Reise zum Mond, aber wenn ihnen die Geschichte an einem Abend besonders gut gefiel, zogen sie ihr Hemdchen aus um es wie ein Segel über den Fuß zu spannen. Vom vielen Pusten müssen sie letztendlich so müde geworden sein, dass sie sogar weiterschliefen als ich später noch einmal in das Zimmer schlich, um ihnen den Pullover wieder anzuziehen. ;-)
Jedes meiner vier Kinder ist mit dem kleinen Häwelmann groß geworden und ich hoffe sehr, dass sie ihn in Erinnerung behalten werden. Wenn ich dazu beitragen kann, meine Puppen nach ihm zu benennen, geschieht das nicht nur, weil ich die Geschichte mag, sondern auch, weil der Name, für mich, sehr schön klingt. Das hauchzarte "H" am Anfang und das weiche "L" am Schluss, bei dem Zunge wie ein Häkchen den Gaumen berührt und das "ä" , das wie ein langes , wohlklingendes "e" ausgesprochen wird und sich gleich darauf an das "w" hängt, das den eigentlichen Charakter dieses Namens ausmacht. W ist der Anfangsbuchstabe von Waldorf und die Mitte bei Häwel. H ist der erste Letter von Haba und steht wie bei Waldorf und Häwel vor dem kleinen a. Diese Namen haben eine Bedeutung für mich und es trifft sich, dass sie sich mit Leichtigkeit in einem Synonym verwandeln, das für eine sinnvolle Lehre steht, die mit einfachen und natürlichen Spielzeug, die Fantasie des Kindes anregt. Aus der Waldorfpädagokik ist vieles hervorgegangen, das diesen Gedanken unterstützt, sie hat sich aber auch an Dingen orientiert, die zu jeder Kindheit dazu gehören. Geschichten können nicht nur beruhigen, sie regen auch zur Nachahmung an, weil das gesprochene Wort in lebendige Bilder übergeht. Da ist sie wieder; die Fantasie, die aus einem Hemdchen ein Segel macht und kleine Kinder in dem Glauben lässt, dass alles um sie herum wandelbar ist. ;-)
Was wäre ein Kinderleben ohne Spiele? Bei einem Rollenspiel werden die Kinder zu Schauspielern, die tun und lassen, was ihnen gerade einfällt, aber wenn die Familie zusammenkommt um ein Brettspiel zu spielen, müssen sich alle an gewisse Regeln halten.
Die konzentrierten Blicke, wenn die Würfel fallen und das triumphierende Auflachen meiner Tochter, sobald sie beim "Mensch ärger dich nicht", ihren kleinen Bruder aus der Bahn werfen konnte - und natürlich auch die Wuttränen, wenn sie letztendlich doch noch überholt wurde, waren gewohnte Bilder, einer schlechten Verliererin. Mein Sohn hingegen hat nie eine Träne vergossen oder gar die Figuren vom Brett gefegt, weil er wieder als Letzter das Ziel erreicht hatte. Mein Mann, der Spielekönig, fand diese Einstellung sehr lobenswert und betonte laufend, dass wir nicht spielen um zu gewinnen, sondern um miteinander Spaß zu haben. Da meine Tochter das nicht einsehen wollte, hatte bald niemand mehr Spaß am Spiel, weil jeder aufpassen musste, nicht zufällig zu gewinnen.
So kamen wir auf unser erstes Haba-Spiel. Es sollte der lieben Seele Frieden schenken und das "wir-Gefühl" meiner Tochter stärken. Denn bei den Haba Spielen müssen für gewöhnlich alle zusammenhalten, um zu gewinnen. Mein Mann konnte sich nie richtig mit dem Gedanken anfreunden, fortan nur die helfende Hand unserer zu Kinder sein, anstatt seinen eigenen Siegeszug zu planen ;-).
Ich hingegen mochte die Spiele so sehr, dass wir bald einen ganzen Stapel beisammen hatten. Sie waren ausgesprochen hübsch gestaltet. Die Spielbretter waren aus Holz, die eine wunderbare Spiellandschaft zeigten, zu denen Holzfiguren und kleine Stoffsäckchen
gehörten. Unser Lieblingsspiel war "Obstgarten". Dabei ging es darum, die vier Obstbäume mit Hilfe eines Würfels abzuernten, bevor sich der Rabe daran gütlich tun konnte. Das Prinzip war einfach und die Spannung hielt bis zum Schluss. Wir konnten uns natürlich auch für andere Spiele begeistern, aber für Kleinkinder bis ins Vorschulalter, so wie es meine älteste Tochter damals war, bieten sich diese Spiele besonders an. Obwohl sie nur noch selten mit uns spielt, kann sie viel besser verlieren. ;-)
Zipfelmütze, unter der ein Streifen wuscheliges Mohairfell hervorschaute. Er machte den verschlafenen Eindruck, den nur eine Puppe haben kann, die Tag und Nacht neben dem Kopfkissen liegt und darauf wartet, in den Arm genommen zu werden. Meinen ersten Häwelmann habe ich meinem Sohn geschenkt, der ihn zwischen hundert anderen Kuscheltieren in seinem Bett aufbewahrte. Dort bekam ich ihn selten zu sehen, aber solange ich wusste, dass er irgendwo unter Pinguinen und Bären verborgen lag, machte ich beim Bettenmachen keinen großen Unterschied, wen ich versehentlich von der Kante schubste. Eines Tages begegnete ich ihm wieder. Allerdings fand ich ihn nicht beim Bettenmachen, sondern beim Aufräumen der Schränke. Abgesehen von den hellblauen Augen,
erinnerte in diesem Gesicht nichts an eine verschlafene Puppe. Der kleine Häwelmann war zu einem mordsgefährlichen Piraten geworden! Ich war mir sicher, dass ich diesen kunstvoll aufgemalten Kringelbart aus einem Bilderbuch kannte, das ich eine Zeit lang jeden Tag vorlesen musste...
Als die Zauberhafte Puppenwelt noch in den Kinderschuhen steckte, besaß ich eine ganze Reihe, bunter Häwelmänner, die man vor dem Schlafengehen, wie Schäfchen hätte zählen können. Sie trugen entweder Nickitücher oder Spitzenkrägen um den Hals. Ich wollte sie nach langer Zeit wieder in mein Programm aufnehmen. Weil ich jedoch einen neue Bezeichnung (anstelle von Waldorfpuppen) für meine Puppen im allgemeinen suchte, erschien er mir gerade recht. Da ich unter diesem Namen nicht nur Jungen sondern auch Mädchen vereine, nenne ich sie Häwelpuppen, Häwelkinder oder ganz verniedlicht Häwelchen. Sollte ich irgendwann einen Häwelmann auf meiner Seite zeigen, werde ich ihn als "Schlafmützchen" vorstellen. Das passt mindestens genauso gut zu ihm. :-)
Alle meine Puppen haben kleinere und größere Gemeinsamkeiten. Die Körper meiner Erstlingspuppen, Schmusepuppen, Schlamperle sowie Babypuppen und Puppenkinder mögen verschieden sein; aber die Puppengesichter sehen sich zum verwechseln ähnlich.
Das liegt zum einem daran, dass meine Hände am Werk sind und zum anderen, an der gleichbleibenden Gestaltung von Augen, Nase und Mund. Ich habe drei verschiedene Typen von Puppengesichtern, die sich durch bestimmte Merkmale erkennbar machen.
Ganz so einfach ist es nicht :-) Aber: Das Gesicht meiner klassischen Häwelpuppen, kann man mit einem Deckchen vergleichen, das mit Stickereien verziert wird. Man fängt mit Strichen und Sternchen an und mit ein wenig Übung, gelingen alle möglichen Muster und Formen. Anders als bei einem Stickdeckchen, sind es bei einem Puppengesicht gerade die kleinen Dinge, die eine große Wirkung erzielen. Wenn die Augen leuchten, liegt das nicht nur an der Helligkeit des Garns, sondern an der Ausstrahlung, die so ein aufgesticktes Sternchen haben kann. Ein Häwelchen, mit Sternchenaugen, lacht über das ganze Gesicht. Es ist ein Lachen das von Herzen kommt und nie erlischt. Wenn die Mundwinkel leicht nach oben zeigen und die Augen mitlachen dürfen, ist das Puppenkind von Dingen umgeben, die ihm gefallen. Es schaut zufrieden drein und möchte auch den Kindern ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Deswegen ziehe ich es vor, meinen Puppen ein lächelndes Antlitz zu geben. Ein kleines Lächeln verändert die Mimik nicht, es macht die Puppe nur freundlicher.
Wer es mit der Waldorfpädagogik allerdings ganz genau nimmt, sucht nach einem Gesicht, das den Eindruck erweckt, mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Rund gestickte Augen sehen natürlich aus, aber sie wirken auf ihre Art zurückhaltender als die Sternchenaugen. Puppen mit runden Augen sind besonders sensibel. Ihr neutraler Gesichtsausdruck lässt viel Raum für die kindliche Fantasie. Wenn das Kind seinen Gefühlen freien Lauf lässt, verliert auch das Puppengesicht an Zurückhaltung. Es kann wütend werden oder so traurig sein, das es anfängt zu weinen. Nach einer Zeit merkt es vielleicht, dass ein Lächeln viel leichter von den Lippen geht, als ein verkniffenes Brummen und möchte zum Spaß die Zunge rausstrecken, die hervorschnellt, sobald dem Kind nach Unterhaltung zumute ist.
Wenn das Puppengesicht noch zarter sein soll, sticke ich die Augen nicht größer als die eines kleinen Vogels. Grüne Augen finde ich hierfür besonders schön. Diese Augenfarbe ist zwar untypisch für Babys, aber im Gegensatz zu braunen oder blauen Augen, sind sie weder zu dunkel noch zu hell.
Der Mund ist ein winziger Bogen, der nicht lächelt. Manchmal nur ein Strich, der so dünn ist, als hätte ich ihn mit dem Fingernagel eingeritzt. Für die Lippenfarbe wähle ich ein mattes aprikot, das sich leicht vom hautfarbenen Gesicht abhebt. Diese Puppen unterscheiden sich von meinen klassischen Häwelpuppen letztendlich dadurch, dass ihr Gesicht wirklich nur angedeutet ist. Die zarten Häwelchen sind nicht unbedingt etwas für das Auge. Sie sind mehr auf unsere Fantasie abgestimmt.
Die Häwelpuppen Art haben gemalte Gesichter. In ihren runden Kulleraugen sitzt ein kleiner Lichtpunkt, der für ein Fünkchen Lebendigkeit, in dem ansonsten ausdruckslosen Gesicht, sorgt. Der Mund ist kreisrund, lediglich zwei kleine Striche links und rechts, deuten winzige Mundwinkel an, bei denen man aber nicht genau sagen kann, ob sie nun für ein Lächeln oder gar für ein herzliches Lachen aus "vollem Mund" gut sein sollen. Auf mich machen sie einen zaghaften Eindruck. Sie sind meine schüchternen Häwelpuppen, die sich zuallererst in meine Zauberhafte Puppenwelt geschlichen haben, bevor die klassischen Häwelchen mit den gestickten Gesichtern dazu gekommen sind.
Die speziellen Stofffarben, mit denen ich meine Puppen bemale, sind absolut wasserfest. d.h. die Puppen können auch gewaschen werden, ohne dass man Angst haben muss, die Farben könnten verlaufen. Ich habe fünf kleine Töpfchen mit den Farben blau, braun, rot, weiß und grün. Das grün habe ich bisher nur einmal benutzt, weil ich es für die Augen vom kleinen Wassermann brauchte. Bei den gestickten Augen mag grün sehr natürlich aussehen, aber Puppen mit gemalten grünen Augen sehen wie Geschöpfe von einem anderen Stern aus oder wie ein kleiner Wassermann ;-) (jedenfalls mit dem grün das ich benutze) Wenn ich das klatschgrün allerdings mit ein wenig braun vermenge, nimmt es ein erdiges olivgrün an. Das finde ich hingegen sehr ansprechend und abwechslungsreich.
Vorzugsweise entscheidet man sich für eine gemalte Puppe, wenn man seinem Kind eine geschickte "Fingerfertigkeit" zutraut. Bei einem gesticktem Puppengesicht kann es passieren, dass die kleinen Fingerchen, so lange an Mund und Augen fummeln, bis das Garn spickt. Das ist zwar ein sehr seltener und leichter Schaden, den ich wieder beheben kann, aber ein gemaltes Gesicht kann nicht "abgekratzt" werden und bleibt heil.
Das einzige was in den Gesichtern meiner Häwelpuppen nicht fehlen darf, ist die Nase. Es gibt Waldorfpupen die keine Nase haben, damit sie kindlicher auszusehen. Um das zu erreichen wird das Gesicht nur auf das Nötigste reduziert (wenn man das überhaupt so sagen kann). Während die Augen und die Lippen farblich betont werden können, stellt die Nase optisch nichts weiter dar, als einen hautfarbenen Knubbel, den man getrost weglassen kann.
Es heißt, das Gesicht muss nicht unnötig "ausgefüllt" sein, nur damit es allen menschlichen Merkmalen gerecht wird. Dieser Ansicht möchte nicht wiedersprechen, solange es sich um Wimpern, Augenbrauen, Nasenlöscher, Kinngrübchen und sonstige Eigenheiten handelt. Die Nase ist ein wichtiges Organ, die uns einen, unserer fünf Sinne- das Riechen- ermöglicht. Außerdem sitzt sie mitten im Gesicht. Dort würde sie bei einer Waldorfpuppe nur unangenehm auffallen, wenn sie zu lang, zu groß, zu dick oder zu krumm wäre und somit eine charakteristische Eigenheit ausmacht. Ist überhaupt keine Nase vorhanden, ist die Puppe ebenfalls auffällig und fällt somit ins andere Extrem. Es mag sein, dass kleine Kinder, die Nase nicht vermissen, weil sie sich ihrer eigenen Nase noch nicht bewusst sind. Aber je größer Kinder werden, desto mehr befassen sie sich mit ihrem Körper. Wenn die Kleinen erkältet sind, halten Mama und Papa ständig ein Taschentuch unter die rote Nase und wollen das ordentlich hineingeschnauft wird.
Spätestens dann wünschen sie sich, das irgendjemand kommt und ihnen die Nase aus dem Gesicht klaut. Wenn gesagt wird: "Hab ich deine Nase!", werden sie bestimmt nicht nachfühlen, ob sie noch da ist- aber mit dem Finger auf die Puppe zeigen und fragen, warum sie ungerechterweise keine Nase hat. Was soll man darauf antworten? Vielleicht: Die Puppenmacherin hat wohl gedacht, du wirst es nicht merken?
Man darf beim Betrachten einer Waldorfpuppe sicher nicht kleinlich werden. Die meisten Stoffpuppen haben zwar eine Nase, aber dafür keine ausmodellierten Finger oder Zehen. Geschlechtsteile sind überhaupt nicht erwünscht und Nähte, die sie sich am Körper entlang ziehen, sehen ohnehin unnatürlich aus. Die Techniken eine Stoffpuppe auszuarbeiten sind in den letzten Jahren weit vorangeschritten. Es ist erstaunlich, wie man aus Stoff richtige Charakterpuppen gestalten kann. Manches ist jedoch gewöhnungsbedürftig, so finde ich, dass Hände und Füße, bei denen die Finger und Zehen abgesteppt sind, Ähnlichkeiten mit Entenfüßen oder Fischflossen aufweisen.
Hinter diesen Puppen steckt sehr viel Mühe und handwerkliches Geschick. Ich habe jene Stoffpuppen früher selbst angefertigt, mich allerdings nie so richtig in die umfangreiche Ausarbeitung vertieft, weil ich in erster Linie Puppen für Kinder nähen wollte, die in ihrer Gesamterscheinung einfacher sein dürfen.
"Einfach" ist auch ein Stichwort, das für Waldorfpuppen gilt. Man kann mit kleinen Mitteln viel erriechen. Augen, Mund und eine Nase sind relativ leicht gemacht. An Ohren habe ich auch schon einmal gedacht. Sie sind ebenfalls ein wichtiges Sinnesorgan und sehen sogar ganz niedlich aus. Aber da, wo bei jedem Menschen die Ohren sitzen, haben meine Puppenkinder Haare. Ich müsste also entweder ein Stückchen freilassen, um an beiden Seiten ein Ohr anzunähen, oder ich beschließe, dass die Ohren meiner Puppen hinter den Haaren versteckt liegen. Weil lange Haare meistens das Gesicht umrahmen, haben Kinder eine Erklärung und müssen nicht extra zur Schere greifen, um nachzuschauen, ob sie auch wirklich da sind.
Die fehlende Nase lässt sich nicht so einfach erklären. Wenn sie fehlt, ist dort wo sie eigentlich hingehört ein freier Fleck, den man besser hätte nutzen können. Da in der Waldorfpädagogik Nasen ebenso gestattet sind wie fehlende Nasen brauche ich deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben. Puh! ;-) Meine Puppen haben alle eine kleine Stupsnase.
Manche Stoffpuppen haben sogar angedeutete Brustwarzen und einen Bauchnabel. Im Gegensatz zur Nase halte ich eine Bauchbestickung zwar für verzichtbar, allerdings ist so ein Baunabel eine feine Sache. Bei einer Stoffpuppe mag der Gedanke an eine Schwangerschaft merkwürdig klingen, aber der Nabel zeigt uns, dass wir mal in Mamas Bauch waren und ohne ihn gar nicht lebensfähig gewesen wären. Ein aufgestickter Bauchnabel kann also auch eine "Puppenschwangerschaft" symbolisieren. Er reicht in eine Zeit zurück, in der die Puppenmacherin ihrem kleinen Geschöpf aus Stoff und Wolle menschliche Züge verliehen hat und es nach seiner der Fertigstellung, an jemanden weiter reicht, der fortan für die Puppe verantwortlich ist. Für die Puppenmacherin ist ein Bauchnabel wie ein Stempel. Mit diesem letzten Stich, entlässt sie die Puppe aus ihrer Obhut. Für das Kind ist der Bauchnabel wiederum ein menschliches Wunder, das erklärt werden will - und für die Puppe eine Stickerei mehr, sozusagen das i-Tüpfelchen auf dem weichen Puppenbauch.
Der Text wird nach und nach fortgesetzt. Fragen zu meinen Häwelpuppen beantworte ich jederzeit gerne
Hier noch ein direkter Link zu den vier typischen Formen meiner Häwelpuppen:
Häwelpuppen Klassik
Häwelpuppen Zart
Häwelpuppen Art
Häwelpuppen Klitzeklein
Über Waldorfpuppen